...da war kein Schmerz als mich der blanke Stahl traf, da waren nur die Augen dieses Ritters über mir, seltsame Augen, ohne Hass, ohne Wut, ohne Achtung - in seinem Blick las ich Arroganz, Hohn und Spott und den Willen zu töten. Ein Blick, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen hatte, seit ich mit meinem arabischen Onkel aus dem fernen Frankreich hierher gekommen war, um an der Seite dieses stolzen Volkes gegen die Schergen von Papst und König zu kämpfen, die mir und meiner, den Katharern zugehörigen Familie schon früher in Okzitanien so übel mitgespielt hatten.

Dann sah ich den Ritter nicht mehr - war es die Sonne die mich so stark blendete und in meinem Kopf  zu explodieren schien ? Alles verschwand, die Zeit blieb stehen, ich fiel und fiel und sah diesen Jungen, der mit seinem Vater den ritterlichen Schwertkampf übte. Ich war dieser Junge, den ich längst vergessen hatte, Mathieu, der Erbe des Chevalier Erich Museler de Saint Marie, anno domini 1228 geboren. Da war das Meer, unser Gut mit den vielen ungezähmten Pferden und den saftigen Weiden, ich lachte als ich in der Sonne herumtollte und auf den Pferden reitete, doch  ich spürte, dass ein Schatten über dem Herzen meines Vaters lag.

9. Kapitel

Irgend etwas ging hier vor. Aber es war etwas, dass einen kleinen Jungen nicht beängstigen konnte. Mir gehörte die ganze Welt, soweit ich sie denn erblicken konnte.

Meinen Vater nannten sie den Museler (der Knebler), weil er vor einigen Jahren einen päpstlichen Gesandten, der in Saint Marie Tod und Unheil verkünden und meinem Vater seinen Titel streitig machen wollte, nackt und geknebelt auf seinem Pferd festband und ihn, mit dem Wort Teufel auf die Brust geschrieben, zurück nach Rom geschickt hatte.

Wir waren Katharer, stets offen und tolerant gegenüber anders Glaubenden, welchen Weg sie auch beschreiten mochten.

Mein Onkel Tahar, ein maurischer Händler aus dem Maghreb kam uns manchmal besuchen.

Er brachte wundervolle Handwerkskunst aus dem Orient mit und abends erzählte er am Feuer von riesigen Städten in weiten Wüsten, wo die Kalifen aus 1001 Nacht